12. Januar 2016

Restaurant "Salonplafond"

Das Licht ist gut. Sowohl die Lichtstimmung als auch die Leuchten. 
Endlich Kalmar. Leuchten dieser traditionsreichen Wiener Firma, gegründet 1880, sieht man in Wien privat oder öffentlich so gut wie nie. Ich selbst kann sie mir nicht leisten, aber auch alle meine Auftraggeber haben bisher abgewunken. Hier hat der Kunde, Tim Mälzer persönlich die Leuchten ausgesucht. Der Architekt wollte andere. 
Überhaupt hatte es der Architekt schwer, er hat mir zu Beginn der Umbauarbeiten geschrieben, dass viele Entscheidungsträger mitreden (wie meistens) und, dass es schwer sei die gewünschte Funktionalität mit der Pracht des Raumes zu verbinden. Nun ja. Sooo schwer auch nicht, denn das hatte im ersten MAK Restaurant Herman Czech perfekt umgesetzt (s.auch hier).

Konzept Speisesaal: hell, elegant, luftig.

Danach sah es so aus:


Konzept Remmidemmi: bunt, zackig, kühl


Es konnte nicht schlimmer werden. Ist es auch nicht. Vieles ist gut, besser sowieso. 
Die Wandfarbe, die Akustik (das war der große Störfaktor in der Czech Eleganz), Möblierung und eben das Licht. Doch wieso die Abtrennung des herrlichen Raumes mit einer großen Küchenkredenz, die man ahnt es, Zuhause Gefühl erzeugen soll? 
Erzeugt sie aber nicht, eher Kulissencharme oder Themenraststättenambiente. 
Dazu passen "originelle" Requisiten wie alte Schreibmaschinen und Pinnwände, die von den Gästen benutzt werden sollen. 
Hipsterdeko-Albernheiten in einem Saal, der der Renaissance huldigt. Uncool.
Das passt zur Speisekarte, die unsensibel norddeutsch formuliert ist ("frisch gequetschter Orangensaft"). Gab's da keinen Berater? Wiener und Wien Touristen wollen Wiener Deutsch. Belehrungen der Sprache sind überaus heikel in Wien, speziell beim Essen und speziell von Deutschen. Prompt regen sich alle Kritiker darüber auf. Das trübt die Lust auf das Essen. Unnötig.
Zum Essen kann ich nichts sagen, weil um 18 Uhr kann man nur belegte Brote, Buffetsalate und Kuchen essen. Ich hatte ein Brot (viel Brot-wenig Belag). Unbefriedigend.


Konzept Wohnzimmer: heimelig, dunkel, eng

Die Lampen sehen eigentlich so aus:


Ahh

Etwas noch zur Schwierigkeit funktionale Ansprüche mit denkmalgeschützter Umgebung zu vereinen: Richtig schief gegangen ist das bei dem Weinkühler, der natürlich kühlen und dem Kunden seine Vorräte vitrinengleich zeigen muss. Aber muss er auch in wechselnden, bunten LED Licht erstrahlen? So Spielautomatenmäßig. 
Warten wir auf den Sommer, dann kann man in dem tollen, vergrößerten Gastgarten sitzen!

gibt auch rotes und blaues Licht